Modellstraßenbahn Hamburg
 
Die Modellstraßenbahn Hamburg ist kein Verein mit fester Satzung, sondern ein Arbeitstitel für den Zusammenschluß verschiedener Modellbauer auf dem Gebiet des Hamburger Nahverkehrs. Erstmals kam die Gruppe 1989 unter dem Arbeitstitel "Arbeitsgemeinschaft ÖPNV im Modell Hamburg" zusammen, um im Kundenzentrum der Hamburgischen Elektrizitäts-Werke (HEW) am Gerhart-Hauptmann-Platz ihre Modelle auszustellen. Die Modelle stellten zu jener Zeit hauptsächlich Omnibusse der Unternehmen des HVV dar, daneben waren aber auch einige Straßenbahnen und gelbe Hilfsfahrzeuge sowie Original-Artefakte (Schaffnertaschen, Uniformteile und dergleichen) ausgestellt.

1993 fanden auf dem Hamburger Messegelände die ersten Hamburger Modellbautage statt. Der Veranstalter, die Hamburger Messe- und Congress-GmbH, bot Vereinen und Institutionen eine kostenlose Ausstellungsfläche mitsamt Vitrinen und Elektroinstallation. Nach zweimonatiger Planung wurden im September zur Messeeröffnung weit über 500 Exponate aus dem Bereich des Hamburger Nahverkehrs ausgestellt. Den Löwenanteil machten wieder die Omnibusse aus. Gezeigt wurden aber auch Straßen- und U-Bahnmodelle, hauptsächlich im gängigen Maßstab 1:87 (H0). Hingucker bildeten der originalgetreue Straßenbahnbetriebshof Gärtnerstraße im Zustand der Jahrhundertwende (Maßstab 1:87), einige Großmodelle und der gerade erst fertig restaurierte original Mercedes-Stadtbus vom Typ O 321 H des Hamburger Omnibusverein e.V., der unübersehbar am Rande der 100 Quadratmeter großen Fläche plaziert war.

Die Hamburger Modellbautage, die seinerzeit jedes Jahr stattfinden, waren anfänglich die zentralste Veranstaltung für die Arbeitsgemeinschaft. Heute hat sich die Hauptaktivität, bedingt durch die Einstellung der Hamburger Modellbautage vermehrt auf die regelmäßige Veranstaltung "Kleine Straßenbahn ganz groß" verlagert. Daneben werden die Exponate auch immer wieder von den Unternehmen des Hamburger Verkehrsverbund, vornehmlich der Hamburger Hochbahn AG, für Ausstellungszwecke geordert.

1997 wurde zum ersten Mal nach zweijähriger Vorlaufzeit die von mehreren Modellbauern gebaute Straßenbahnsegmentanlage im Maßstab 1:87 (H0) vorgeführt. Die Segmente dieser Anlage sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, frei miteinander kombinierbar, so daß sich immer wieder neue Kombinationsmöglichkeiten ergeben. Die Fahrzeuge, soweit es Hamburger Vorbilder betrifft, entstanden zum Teil im Einzelmodell-Selbstbau aus Messing, zum Teil in Kleinserien-Bausatzverfahren aus Kunststoff. Es entstanden Fahrzeuge aller Epochen, angefangen bei den ersten Trambahn-Wagen von vor der Jahrhundertwende bis zu den Triebwagen, die bis zur Einstellung der Hamburger Straßenbahn 1978 ihren Dienst taten. Dabei gab es unter den Modellbauern der Gruppe epochale Aufteilungen. Während einer nur Fahrzeuge der Jahrhundertwende nachbaut, entstehen bei anderen wiederum nur Fahrzeuge aus der Wirtschaftswunderzeit, und wiederum bei anderen die völlig heruntergekommenen Wagen aus der Endzeit der Hamburger Straßenbahn.

Gemein ist den Selbstbau-Fahrzeugen, daß Aufbauten und Fahrgestelle aus geätzten Messingblechen, Dach und die Inneneinrichtung aus Resin-Gußteilen (Resin ist ein Kunstharz) bestehen. Aber auch Modelle der Firma BEC-Kits aus England, die als Weißmetall-Bausätze angeboten werden, finden Verwendung.

Die Motorisierung erfolgte anfänglich mit Antrieben der Firma Burmester, die selbst zweiachsigen Wagen mit kurzem Achsstand ein hervorragendes Fahrverhalten ermöglichten. Diesen Hersteller gibt es leider nicht mehr und so findet man in den Modellen heute alle auf dem Markt angebotenen Modellstraßenbahn-Antriebe, aber auch Selbstbau-Antriebe finden Verwendung. Allen Antrieben ist elektrisch ein sogenannter Digitaldecoder vorgeschaltet. Der Decoder ist mit einer aus vier Ziffern bestehenden Adresse versehen und ermöglicht mit einem wie ein Taschenrechner aussehenden Steuergerät die Modelle anzusteuern. Diese Technologie macht es möglich, mehrere Fahrzeuge auf demselben Stromkreis unabhängig voneinander fahren zu lassen.


Einer der zentralen Punkte der Anlage ist der originalgetreu nachgebaute Straßenbahnbetriebshof Ohlsdorf, von dem im Original nur das heute in einer Wohnsiedlung befindliche Wartehäuschen erhalten geblieben ist. Hier ist auch eine der fünf Endschleifen der Anlage. Daneben ist auch im weiteren Streckenverlauf der weiter oben im Text erwähnte Straßenbahnbetriebshof Gärtnerstraße angegliedert. Ansonsten ist die Strecke weitgehend nach eigenen Vorstellungen entstanden, und lediglich einige Ausstattungsteile wie Litfaßsäulen, Wartehäuschen, Straßenschilder usw. sind dem Hamburger Straßenbild entliehen, da der modellbauerische Schwerpunkt auf den Fahrzeugen liegt. Dabei verkehren allerdings auch Hamburger Fahrzeuge verschiedener Epochen auf der Anlage , die einender im richtigen "Leben" nie begegnet sind.

Das überwiegend verwendete Gleismaterial ist von dem Hersteller Hartel. Es wurde speziell für den Nachbau von Straßenbahnstrecken entwickelt. Das Programm umfaßte gerade und gebogene Gleisteile mit entsprechenden Distanzstücken für den zweigleisigen Streckenbau, sowie Weichen und Kreuzungen. Mit einer Feinsäge wurden diese Gleisteile für kompliziertere Gleisbilder angepaßt. Leider gibt es auch diesen Hersteller nicht mehr und so ist es heute freigestellt, welches Gleismaterial verwendet wird. Die Weichensteuerung erfolgt teils mechanisch, teils elektrisch.

Die Bebauung am Straßenrand entsteht überwiegend aus handelsüblichen Modellbausätzen, die zum Teil modifiziert, das heißt farblich verändert, aufgestockt oder gänzlich neu kombiniert, werden. Die Fahrleitung entsteht im Selbstbau, und besteht aus einem Quertragwerk, welches zum Teil vorbildgerecht an Häuserwänden abgefangen wird und anderenteils von Masten, sowie einem Fahr-"Draht" aus Gummi, mit dem der Mobilität der Anlage Rechnung getragen wird.
Die einzelnen Segmente der Anlage sind der freizügigen Montage wegen standardisiert. Die geraden Streckensegmente haben eine Grundfläche von 70 cm x 100 cm, und die Lage der Gleise ist festgelegt um die Anschlußmöglichkeit an jedes andere Segment zu zu gewährleisten.

Auf einigen Segmenten ist ein U-Bahnviadukt vorhanden, dessen Elektrifizierung ursprünglich geplant war, wegen technischer Schwierigkeiten jedoch nicht weiter verfolgt wird. Die Bebauung ist überwiegend städtisch. Einige Module sind bebauungstechnisch peripheren Stadtteilen nachempfunden. Jedes Segment stellt eine Epoche für sich dar. Einige sind von der Ausstattung der Jahrhundertwende nachempfunden, Pferdegespanne und Kopfsteinpflaster spiegeln das Flair von 1900 wider. Andere wiederum sind so modern gehalten, daß man vielleicht sogar das eigene Auto auf dem Anlagensegment wiederfindet.
Der Fahrzeugpark umfaßt derzeit über 50 Züge mit über 100 Wagen, von denen die meisten nach Hamburger Vorbildern entstanden sind. Von diesen Zügen verkehren bis zu 10 gleichzeitig auf der Anlage, die Restlichen sind in den Depots untergestellt.